Yule ist nicht nur ein astronomischer Sonnenwendpunkt.
Es ist mehr als das.
Yule ist ein Übergang.
Was an diesem Tag geschieht, ist keine symbolische Lichtwende, sondern eine Initiation: durch Enge, durch Schmerz, durch das Aushalten dessen, was nicht beschleunigen lässt und noch nie abgekürzt werden konnte.
Yule erinnert uns daran, dass Licht und Hoffnung nicht einfach so erscheinen, sondern geboren werden.
Und dass jede Geburt – auch die des Lichts –
eine Frau braucht, die bereit ist, sich öffnen zu lassen, ohne zu wissen, wer sie danach sein wird.
Yule ist eine Initiation
Initiationen sind keine Erkenntnisse, die vom Himmel fallen. Sie sind Prüfungen, die uns an unsere Grenzen bringen.
Sie nehmen uns nichts weg –
aber sie nehmen uns auseinander, Stück für Stück, und setzen uns neu zusammen.
Yule markiert genau diesen Punkt im Jahreskreis: den Moment, in dem nichts mehr zurückgehalten wird.
Nicht das Dunkel.
Nicht der Schmerz.
Nicht die Angst, dass es vielleicht nicht gut ausgehen könnte.
Wer Yule ernst nimmt, betritt keinen Lichtraum – sondern den Kreißsaal der Neugeburt.
Transformationsschmerz ist kein Fehler
Der Schmerz von Yule braucht keine Weichzeichner; Keine Kerzen, kein Zimt, keine Räucherstäbchen.
Keine cozy little winter time.
Der Schmerz von Yule ist ein notwendiger Vorgang.
Transformationsschmerz entsteht dort,
wo alte Formen zu eng geworden sind,
wo Ertragen mehr Kraft kostet als Loslassen,
wo das Neue noch keinen Namen hat.
Dieser Schmerz sagt nicht: „Hör auf“.
Er sagt:
Bleib. Atme. Öffne dich weiter.
Geburt geschieht nicht trotz Schmerz, sondern durch ihn.
Die Frau, die (er-)trägt
In der Mitte von Yule steht nicht das Licht.
In der Mitte steht die Frau, die mit Transformation schwanger geht, sie austrägt und unter Schmerzen auf die Welt bringt..
Die Frau, die aushält, was noch keine Gestalt hat, die dem Prozess vertraut, ohne Garantie, und eine Frau die weiß, dass Rückzug keine Schwäche ist.
Sie ist nicht passiv im Ruhen.
Sie arbeitet. Mit jeder Presswehe.
Geburt ist die Transformation – das Sprengen der alten Heimat.
Die Mütternacht: Der Schoß der Dunkelheit
Bevor das Licht kommt, ist da die Mütternacht.
Nicht metaphorisch. Erst recht nicht romantisch.
Es ist die Nacht, in der alles stillsteht.
In der nichts wächst, nichts blüht, nichts sichtbar ist.
Die Mütternacht ist der Uterus des Jahres:
Dunkel. Warm. Unverhandelbar.
Hier entsteht nichts aus Komfort.
Hier entsteht Leben aus Zusammenziehen, Zittern, Aushalten.
Die alten Kulturen wussten das.
Sie haben diese Nacht nicht „gefeiert“ –
sie haben Wache gehalten.
Denn was hier geboren wird, kommt nicht ohne Preis.
Die Geburt der Mutter
Was selten gesagt wird:
Bei jeder Geburt wird nicht nur Leben geboren.
Es wird auch die Mutter geboren.
Nach Yule ist nichts einfach „heller“.
Nach Yule ist die, die getragen hat, eine andere.
Weiter.
Offener.
Verletzlicher – und damit wahrer.
Initiation bedeutet nicht, unversehrt hindurchzugehen.
Initiation bedeutet, gezeichnet zurückzukehren und diese Zeichen zu tragen.
Deshalb gilt:
No womb.
No light.
Ohne Dunkelheit, die hält.
Ohne Körper, der durchgeht.
Ohne Frau, die bleibt,
wenn Flucht einfacher wäre.
Winterweise Wahrheit
Yule lehrt uns nicht, schneller ins Licht zu kommen.
Es lehrt uns, dem Dunkel standzuhalten, bis das Licht bereit ist.
Nicht alles, was geboren werden will, kommt sanft.
Manches kommt schreiend.
Manches zerreißt uns.
Manches verändert uns für immer.
Und genau darin liegt seine Heiligkeit
The Healing Wild
Hier wird Schmerz nicht spiritualisiert.
Er wird geehrt.
Hier ist Geburt kein Symbol,
sondern eine Wahrheit im Fleisch.
Yule ist kein Fest.
Es ist eine Initiation.
Und wer hindurchgeht,
trägt das Licht nicht –
sie ist sein Ursprung.
