Heilung ist manchmal leicht.
Nicht immer. Aber manchmal.
Heilung ist manchmal schmerzhaft.
Nicht immer. Aber manchmal.
Wir fragen uns so oft, warum Heilung so schwer ist.
Warum es uns so schwerfällt,
uns heilen zu lassen.
(Ja, das ist bewusst so formuliert.)
Weil es bedeutet, etwas loszulassen.
Etwas loszulassen,
das uns einmal sehr heilig war.
Das uns lange gedient hat.
Und uns – auf eine ganz eigene Weise –
geholfen hat.
Die Wahrheit ist:
Wir wachsen.
Jeden Tag ein Stück.
Oft im Verborgenen,
im Stillen,
im Geheimen.
Bis wir eines Tages so groß sind,
dass alte Schalen nicht mehr passen.
Bis unsere Heimat,
mit ihren selbst gebauten Mauern,
zu eng für uns wird.
Und so stehen wir da.
Gesicht zur Wand.
Stirn an Backstein.
Und fragen uns:
Wie soll das hier weitergehen?
Hier geht es nicht weiter.
Hier ist eine Mauer, verdammt.
Wir starren.
Nasenspitze am Stein.
Und sehen nichts als Wand.
Weil unser Horizont
auf genau diese Mauer
geschrumpft ist.
Das ist normal.
Das ist immer so.
Wir sind es gewohnt,
vorwärtszugehen.
Ein Schritt nach dem anderen.
Rückschritt gilt als Versagen.
Rückschritt ist doch kein Fortschritt –
oder?
Und doch braucht es manchmal genau das,
um vom Kämpfen
ins Tanzen
zu kommen:
Einen Wiegeschritt.
Einen Schritt zurück.
Eine Drehung.
Damit die Spannung nachlässt.
Damit das Gefühl zurückkehrt.
Damit die Musik wieder mit uns arbeitet
und nicht gegen uns –
mehr Walzer, als ein Gewaltmarsch
im Viervierteltakt.
Wenn Heilung also nicht bedeutet,
dass der Schmerz endet,
sondern dass wir beginnen,
einen Schritt zurückzutreten,
dann sehen wir:
Heilung beendet nicht den Schmerz.
Der gehört zum Leben.
Aber sie lässt die alten Muster,
das Gemäuer unseres Käfigs,
zerfallen.
Unter unserem Blick.
Und das, Liebes,
das ist Heilung.
