Imbolc – auch bekannt als Lichtmess – wird häufig als sanftes Reinigungsritual beschrieben:
Kerzen. Räucherwerk. Weiße Kleidung. Sanfte, warme Vollbäder.
Das dachte ich auch lange…
Doch das greift zu kurz. Viel zu kurz.
Dieses Jahr dämmerte es mir:
Imbolc ist kein Wellness-Reset nach der Weihnachtsvöllerei.
Imbolc ist kein spirituelles Warm-machen mit Atemübungen und Palo Santo.
Imbolc ist ein leiser Schwellenmoment – der in seiner sanften Radikalität oft missverstanden wird.
Denn dieses Jahreskreisfest markiert einen Übergang:
Von der Dunkelheit zurück hinauf in das Licht.
Imbolc lässt uns aufsteigen und wagt eine zentrale Frage:
Willst du wirklich gereinigt ins neue Licht – oder willst du den alten Mist mitnehmen?
Die Dunkelheit endet – nicht sanft, sondern eindeutig
Die tiefe, dunkle Zeit – Samhain bis Imbolc – wird häufig als belastend empfunden.
Viele fühlen sich in der Dunkelheit nicht wohl und lehnen unbewusst das Geschenk ab,
das uns die Dunkelheit bietet.
Was wir dabei ausblenden:
Die Dunkelheit ist ein notwendiger Abstieg. Wir müssen in unsere Schatten.
Doch jeder Abstieg hat einen Punkt, an dem er kippt:
Wenn du zu lange im Dunkel bleibst,
wird aus Tiefe plötzlich Stagnation.
Drama. Selbstmitleid.
Aus Rückzug wird Vermeidung. Und irgendwann Angst.
Imbolc ist dieser Punkt, der markiert:
Hier endet etwas.
Nicht strahlend oder frühlingshaft leicht.
Sondern unmissverständlich als Radikalschlag.
Was Imbolc wirklich markiert
Imbolc liegt mitten im Winter.
Nicht am Ende davon.
Die Erde ist noch gefroren.
Die Nächte sind lang und dunkel.
Die Knospen sind angelegt, aber längst noch unsichtbar.
Und doch ist etwas geschehen.
Der Wendepunkt ist überschritten.
Das Licht nimmt zu.
Unumkehrbar. Ohne Drama. Dennoch mit voller Wucht.
Imbolc ist der Moment, in dem klar wird:
Die Dunkelheit trägt dich nicht mehr.
Und zeitgleich bleibt bestehen:
Diese Dunkelheit war notwendig.
Sie war transformierend.
Sie war ein Raum der Gärung,
der Ort, wo wir uns zurückziehen und wandeln durften.
Aber die Dunkelheit ist nicht der Ort, an dem wir bleiben können.
Und ich betone es noch einmal:
Die Dunkelheit ist kein Ort zum Verweilen.
Imbolc bedeutet Aufstieg
Viele Imbolc-Texte sprechen von Reinigung.
Und meist meinen sie damit:
- mehr räuchern
- mehr baden
- mehr journaling
- mehr I release-Sätze
Doch das ist Oberflächenpflege.
Die Reinigung von Imbolc ist keine kosmetische Handlung.
Sie ist eine innere Kündigung.
Eine bewusste Entscheidung gegen das, was dich klein hält:
- alte Identitäten
- müde, ausgelutschte Geschichten
- Loyalitäten, die längst tot sind
- Versprechen, die du dir selbst nie gegeben hast
Imbolc fragt nicht:
Was möchtest du loslassen?
Imbolc fragt:
Was nimmst du immer noch mit, obwohl es dich beschwert?
Was hängt da immer noch in deinem inneren Rucksack,
obwohl du es doch beim Abstieg ablegen wolltest?!
Imbolc ist Commitment – nicht Hoffnung
Imbolc ist kein Fest der Hoffnung.
Hoffnung ist passiv.
Imbolc ist Commitment.
Du verpflichtest dich:
- dem, was wachsen will.
- dem, was Wahrheit trägt.
- dem, was nicht mehr verhandelbar ist.
Mit deinem gesamten Einsatz.
Ohne Garantie.
Ohne Sicherheiten.
Nur mit Klarheit.
Neue Kleider, neues Licht
Imbolc trägt noch den Geruch von Rückzug.
Es trägt noch Stille und Düsternis.
Ab
er es ist jetzt eine andere Qualität als zuvor.
Nicht mehr schützend.
Sondern vorbereitend.
Wie ein Rucksack, den man endlich packt.
Der eigentliche Aufbruch, das Losgehen und Umsetzen kommt später.
Richtung Ostara. Wenn die Knospen sichtbar werden, wenn Bewegung ins Außen geht.
Imbolc ist der Moment davor.
Der Moment, in dem du innerlich bereits beschlossen hast endlich loszugehen.
Was man an Imbolc wirklich tut
Vergiss die Frage:
Was kann ich heute noch reinigen?
Stell dir stattdessen diese:
- Was habe ich in der Dunkelheit gelernt?
- Was muss hier bleiben, und soll nicht mit ins neue Licht?
- Wo betrüge ich mich noch mit spiritueller Sanftheit?
- Wo glaube ich noch meinen alten Sätzen oder inneren Verträgen?
Und dann:
Triff eine Entscheidung.
Keine große.
Keine öffentliche.
Aber eine, die du nicht mehr zurücknimmst.
Packe deinen Rucksack – aber nun mit der neuen Kleidung.
Jener Kleidung, welche die Dunkelheit
dir schon liebevoll in die Hände gelegt hat.
Imbolc – ein Fest für Mutige?
Imbolc ist unbequem – für jene, die wild genug sind, sich dieser Wahrheit hinzugeben
Es fordert Ehrlichkeit.
Klarheit.
Bereitschaft.
Nicht jeder ist dafür bereit.
Und das ist in Ordnung.
Aber wer Imbolc wirklich begeht,
tritt innerlich aus der Dunkelheit heraus –
nicht nur gereinigt,
sondern mit Kraft. Und Mut. Und Zweifeln (ja, die gehören dazu!).
Kurz gesagt: Imbolc ist kein verräuchertes, weiches Wohlfühlfest.
Es ist ein Schwellenort zwischen Dunkelheit und Aufbruch.
Ein radikales Commitment, den alten Ballast nicht länger mitzuschleppen.
Der erste Lichtstrahl – klein, aber unumkehrbar.
Wenn jemand fragt:
Was ist Imbolc – und was mache ich da eigentlich?
Dann ist die Antwort:
Du hörst auf, dich zu verstecken.
Und trägst die Verantwortung dafür.
