The Wisdom of Becoming

Von der Schönheit, im Werden begriffen zu sein

Wenn ich momentan aus dem Fenster sehe, geht mir das Herz auf. Ich liebe das Farbenspiel, das sich durch die Wälder zieht, goldene, purpurrote und kupferne Lichtflecken auf die Baumwipfel tupft, jeden Tag ein bisschen mehr.


Manche Krone sieht aus, wie von oben begossen und lässt die Farbe mit vollem Genuss hinabtropfen. Andere Blätter wirken wie gepunktet, es leuchten gelbe Flecken durchs Grün.


Ab und an segelt ein Blättchen zu Boden, manchmal bläst der Herbstwind sie in Spiralen über die geernteten Felder.


Wenn die Natur sich wandelt

Und mein absolutes Highlight ist die Morgendämmerung, wenn das erste Sonnenlicht auf den Nebel der noch sommerwarmen Erde trifft.

Für mich pure Magie.

Doch dahinter?
Biologische Prozesse. Wintervorbereitung. Baumhygiene.

Poesie liegt bekanntlich im Auge des Betrachters.


Die Frage nach dem Fertigsein

Mich bewegt der Gedanke von Werden und Vergehen. Von Wachsen, Gedeihen und Gehen lassen.

Wie sehr wir danach streben, anzukommen. Als läge der Wert einer Reise im Erreichen bestimmter Koordinaten und nicht darin, unterwegs zu sein.

Ich weiß nicht, ob eine Pflanze sich fragt, ob sie jemals fertig ist. Ob der Moment kommt, wo sie sich sagt: „nun bin ich perfekt“ und dann… ja, was?… einfach aufhört?

Aufhört zu wachsen, blühen, fruchten, welken, zurück ziehen, ruhen, austreiben..?

Oder ob sie sich dem Wandel hingibt, Jahr um Jahr, jede Jahreszeit, jeden Wandel, jeden Prozess… und mit dem Alter einfach ruhiger wird?


Was alte Bäume wissen

Alte Bäume haben so etwas an sich. Etwas Ruhendes. Sakrales. Knorriges. Störrisches.

Als ob sie selbst nach 900 Jahren noch trotzig und zahnlos lachen: „Schau! Ich kann auch noch austreiben!“

Doch längst ist nicht mehr die Krone Ort des Lebens, sondern der hohle Baumleib selbst, mit Löchern, geborstener Rinde, Käfern, Pilzen, und Moosen zwischen den dicken, aufgesprungenen Wurzeln.

Wo der junge Trieb noch triebsam strebt, lässt die alte Eiche ihre Äste hängen.


Auch Loslassen liegt Werden

Doch wir..?

Haben wir diese Dinge wirklich verlernt? Oder leben wir in einer Gesellschaft, die uns häufig vermittelt, dass Stillstand Rückschritt und Loslassen ein Verlust sei?

Manchmal ist Werden auch Loslassen.
Das ist eine wunderschöne Vorbereitung auf November.

Auf Stille. Rückzug. Leerstand.
Heulende Winde zwischen kahlen Ästen.

Ja.
Auch hier liegt Werden.


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Veröffentlicht von Dr. Maren Buhl

Ich bin Ärztin und Psychotherapeutin. Seit vielen Jahren begleite ich Menschen durch Krisen, Übergänge und innere Brüche – mit klinischer Klarheit, Erfahrung und einem feinen Gespür für das, was zwischen den Worten liegt. Gleichzeitig bin ich eine wilde Frau. Ich glaube nicht an Heilung durch Anpassung, sondern an Wahrhaftigkeit, Verkörperung und das Wiederfinden der eigenen inneren Kraft. An das, was lebendig wird, wenn wir aufhören, uns zu zähmen. In meiner Arbeit verbinde ich medizinisch-psychotherapeutische Expertise mit Tiefe, Intuition und einer klaren, manchmal unbequemen Ehrlichkeit. Ich arbeite strukturiert und achtsam – und lasse Raum für das Ungezähmte, das Echte, das sich nicht normieren lässt. Ich begleite Menschen, die nicht „funktionieren“ wollen, sondern ganz werden. Mit Verstand. Mit Körper. Mit Seele.

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