Die wilde Frau in uns

Sie ist leise. Und deutlich gefährlicher als man denken mag.

Mir begegnet oft ein Missverständnis über die wilde Frau:

Viele glauben, sie sei laut.
„Ungezähmt“ im Sinne von rücksichtslos.
Eine, die brüllt, dominiert, aneckt – um jeden Preis.

Eine Querulantin – barfuß, mit irrem Blick und mit verfilztem Haar.

Oder wie ein wildes Tier.

Ein Löwe vielleicht, der über die Savanne brüllt. Oder ein Wolf – mit gefletschten Zähnen.

Aber das ist nicht das, worum es hier geht.

Die wilde Frau ist nicht laut, weil sie sich beweisen muss – oder um der Laustärke Willen.
Sie ist nicht aggressiv, weil sie sich Raum erkämpfen muss. Oder weil „Kampf“ ihr Grundmodus wäre.

Nein.
Sie ist etwas viel Provokanteres.

Sie ist frei.

Ohne innere und äußere Fesseln.


Die wahre Provokation: Die wilde Frau passt nicht mehr in eine Form

Seien wir ehrlich: Wir leben in einer Welt, die formt. Und von uns verlangt, in Schubladen zu passen.

Diese Welt formt Körper – und unsere Sicht darauf.
Sie formt Verhalten – und unseren Anspruch an uns.
Sie formt das, was als „richtig“, „schön“ und „erfolgreich“ gilt – und legt unsere gesellschaftlichen Richtlinien fest.

Und wir – Frauen wie Männer – lernen früh, uns anzupassen:

  • Wir lernen, wie wir sein müssen, um dazuzugehören.
  • Wie wir aussehen müssen, um begehrt zu sein.
  • Wie wir funktionieren müssen, um geliebt zu werden.
  • Was wir leisten müssen, um erfolgreich zu sein.

Und irgendwann passiert etwas ganz Leises:
Wir verlieren uns.

Nicht auf einmal.
Sondern Stück für Stück:

  • In jedem Lächeln, das nicht echt ist.
  • Jedem „Ja“, das eigentlich ein „Nein“ war.
  • Dem heimlichen Zurücknehmen, obwohl da etwas in dir aufstehen wollte.
  • In jedem „mir gehts gut“, obwohl man längst nicht mehr kann.


Domestizierung macht uns still.

Was wir oft vergessen: Domestizierung ist kein (reiner) Zwang von außen.
Sie ist oft ein stilles Einverständnis von innen.

Und wir stimmen dieser Zähmung jeden Tag aufs Neue zu – und fühlen uns längst entwurzelt.


Wild sein heißt nicht, auszubrechen

Wild sein heißt, zurückzukehren. Zu uns selbst.

Zurück in deinen Körper, zu deinen Sinnen.
Zurück in dein Spüren und zu deiner Intuition.
Zurück in das, was vor all den Konzepten da war.

Zurück zu dem, was du warst, bevor die Welt dir sagte, wie du zu sein hast.


Wild sein bedeutet:

👉 Du beginnst zu bemerken, wo du dich verlassen hast. Wann du leiser wirst und deine Gefühle schluckst.


Und du beginnst, dich wieder zu wählen.
Deinen Raum einzunehmen. Deine Stimme zu nutzen.

Nicht gegen andere – sondern für dich.


Du darfst widersprüchlich sein

Und genau darin liegt die Kraft der Wildheit.

Die wilde Frau ist nicht entweder oder.
Sie ist beides:

  • Sanft und klar.
  • Wild und still.
  • Verletzlich und kraftvoll.
  • Zart und unerschütterlich.

Sie versucht nicht mehr, sich in eine Kategorie zu pressen.

Sie hält Spannung aus.

Die wilde Frau weiß:
Dass sie nichts verliert, wenn sie mehrere Facetten lebt.

Sondern dass genau darin ihre Lebendigkeit liegt.


Sie muss sich nicht mehr beweisen

Die wilde Frau kennt ihren Wert.

Weil sie ihn in sich spürt – nicht, weil jemand ihn ihr bestätigt hat.

Sie rennt keinem Ideal mehr hinterher.
Weder dem perfekten Körper.
Noch der perfekten Leistung.
Oder der perfekten Version von sich selbst.

Sie entscheidet:

Wann sie sichtbar ist.
Und wann sie sich zurückzieht.

Wann sie spricht.
Und wann sie schweigt.

Sowohl aus Freiheit als auch aus Wahl.


Sie folgt Rhythmen, die älter sind als jede Erwartung

Die wilde Frau lebt nicht gegen sich.

Sie lebt mit sich und ihren Bedürfnissen.
Im Rhythmus ihres Körpers.
Mit ihren Zyklen.
Mit ihrem Atem.

Sie spürt den Wechsel von Kraft und Rückzug.
Von Öffnung und Stille.

Sie erinnert sich an etwas, das nie wirklich weg war:

  • Dass ihr Körper von Weisheit durchflossen wird.
  • Dass ihr Bauch schon Gefühle kennt, wenn der Kopf noch Worte sucht.
  • Dass ihr Herz Lieder singt.

Und manchmal lauscht sie.
Dem Wind. Den Sternen.
Dem Boden unter ihren Füßen.
Den Geschichten, die nicht laut gesprochen werden – die im Moos, Fels und Unterholz verborgen liegen.


Jede wilde Frau ist anders

Das ist das Schöne: Es gibt keine Vorlage.

Manche sind laut und sichtbar.
Manche leise und tief.
Andere erzählen Geschichten.

Manche erschaffen Magie in kleinen Gesten.
Andere tragen Ideen in die Welt, die alles verändern.

Und alle sind richtig.

Alle wilden Frauen sind wahr und wild und frei und wunderschön.

Denn Wildsein ist kein Modestil.
Es ist gelebte Authentizität.


The Healing Wild ist kein Konzept

Es ist eine Erinnerung – an die Wildheit in dir

Hier geht es nicht darum, jemand Neues zu werden.
Es geht es darum, all das abzulegen,was du nie wirklich warst.

Die Muster.
Das Angepasste.
Das Gefällige.
Das „Good Girl“, das gelernt hat, sich selbst hinten anzustellen.

Nicht mit Gewalt.
Sondern mit Bewusstsein.

Mit einem ehrlichen Blick:

  • Wo mache ich mich kleiner, als ich bin?
  • Wo mache ich mich größer, als ich mich eigentlich fühle?
  • Wo verliere ich mich – aus Angst, anzuecken?
  • Und wo übergehe ich mich selbst, um dazuzugehören?

Die wilde Frau ist kein Extrem

Sie ist intuitive Präzision

Sie hat einen feinen Spürsinn:

Wann sie sich zurücknimmt, obwohl sie sich zeigen möchte.
Und wann sie sich zeigt, obwohl sie eigentlich Ruhe braucht.

Sie lauscht ihrer inneren Stimme, dem leisen Summen in den Knochen.
Sie vertraut der Wahrnehmung ihrer selbst.
Wird präzise ihren Entscheidungen.
Fein in ihrer Präsenz.

Und genau in dieser Präzision liegt ihre Kraft.


Sich selbst wählen ist der wildeste Akt von allen

Nicht, weil er laut ist.
Sondern weil er radikal ehrlich ist.

Sich selbst zu wählen bedeutet:

  • Dich nicht mehr zu verraten.
  • Dich nicht mehr zu verbiegen.
  • Dich nicht mehr zu übergehen.

Und gleichzeitig:

Nicht gegen die Welt zu kämpfen.
Sondern in ihr anzukommen und dennoch bei sich zu bleiben.

Verwurzelt und verbunden.

Sanft. Wild. Roh. Echt.

Ganz du.


Entdecke mehr von The Healing Wild

Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.

Veröffentlicht von Dr. Maren Buhl

Ich bin Ärztin und Psychotherapeutin. Seit vielen Jahren begleite ich Menschen durch Krisen, Übergänge und innere Brüche – mit klinischer Klarheit, Erfahrung und einem feinen Gespür für das, was zwischen den Worten liegt. Gleichzeitig bin ich eine wilde Frau. Ich glaube nicht an Heilung durch Anpassung, sondern an Wahrhaftigkeit, Verkörperung und das Wiederfinden der eigenen inneren Kraft. An das, was lebendig wird, wenn wir aufhören, uns zu zähmen. In meiner Arbeit verbinde ich medizinisch-psychotherapeutische Expertise mit Tiefe, Intuition und einer klaren, manchmal unbequemen Ehrlichkeit. Ich arbeite strukturiert und achtsam – und lasse Raum für das Ungezähmte, das Echte, das sich nicht normieren lässt. Ich begleite Menschen, die nicht „funktionieren“ wollen, sondern ganz werden. Mit Verstand. Mit Körper. Mit Seele.

Kommentar verfassen

Entdecke mehr von The Healing Wild

Jetzt abonnieren, um weiterzulesen und auf das gesamte Archiv zuzugreifen.

Weiterlesen

Entdecke mehr von The Healing Wild

Jetzt abonnieren, um weiterzulesen und auf das gesamte Archiv zuzugreifen.

Weiterlesen