Pleasure for others. Pressure for you.

Why being a good girl is costing you more than you think

Es gibt diesen Teil in dir:
Leise. Aufmerksamkeit. Hoch angepasst.

Das Good Girl.

Sie spürt, was andere brauchen,
noch bevor es ausgesprochen wird.
Sie nimmt sich zurück.
Sie sagt Ja –
auch dann, wenn ihr Inneres längst Nein sagt.

Und lange hat sie funktioniert.

Nicht, weil sie schwach ist.
Sondern weil sie brillant ist.


Das hier ist kein Charakterzug

Das Good Girl ist kein Persönlichkeitsfehler.
Es ist ein System.

Ein fein abgestimmtes Zusammenspiel aus:

  • Nervensystem
  • Emotion
  • Erfahrung
  • Beziehung

Irgendwann war genau dieses Verhalten sinnvoll.
Vielleicht sogar überlebenswichtig.

Dein System hat gelernt:

Wenn ich mich anpasse, bleibe ich verbunden.
Wenn ich verbunden bleibe, bin ich sicher.

Und Sicherheit ist das, worauf dein Nervensystem immer zielt.

Nicht Wahrheit.
Nicht Authentizität.

Sicherheit.


Warum du trotzdem immer wieder „Ja“ sagst

Weil dein Körper schneller ist als dein Kopf.

Der Moment, in dem du eigentlich Nein sagen willst, ist oft schon vorbei, bevor du ihn bewusst greifen kannst.

Was passiert, ist subtil – aber mächtig:

  • eine innere Enge
  • ein kurzes Aufflackern von Stress
  • die Ahnung: Das könnte Beziehung kosten

Und dann kommt sie.
Automatisch.

Die Anpassung.

Das ist keine Schwäche.
Das ist Konditionierung.


Eine provokante Wahrheit

Ein Teil deines „Gemochtwerdens“ basiert darauf, dass du dich selbst opferst.

Dass du es anderen leicht machst.
Dass du wenig forderst.
Dass du viel hältst.

Und ja – dafür wirst du belohnt:
„Du bist so angenehm.“
„Mit dir ist es nie kompliziert.“

Aber genau darin liegt der Preis.

Du wirst gemocht –
aber nicht vollständig gesehen.


Was das Good Girl wirklich ist

Nicht nur Anpassung.

  • Sondern auch Begabung:
  • Feinfühligkeit
  • Beziehungsintelligenz
  • emotionale Tiefe
  • ein enormes Gespür für Zwischenräume

Das Good Girl zeigt dir, wie sehr du Verbindung willst.
Wie sehr du liebst.

Wie sehr du Teil von etwas sein möchtest.

Und das ist nichts, was verschwinden soll.


Wenn es kippt

Problematisch wird es erst, wenn das Good Girl allein führt.

  • Wenn du dich selbst verlässt, um im Außen gehalten zu werden.
  • Wenn deine Grenzen weich werden.
  • Wenn deine Bedürfnisse leise werden.
  • Wenn deine Wahrheit sich anpasst, damit sie niemanden stört.

Dann wird aus Stärke ein Muster, das dich langsam erschöpft.


Und dann gibt es sie noch

Die andere Seite.
Das Bad Girl.

Die innere Rotzgöre.
Direkt. Klar. Unbequem.

Sie sagt Nein, wenn es Nein ist.
Sie nimmt Raum ein.
Sie riskiert Reibung.

Und oft wurde genau dieser Anteil irgendwann zurückgedrängt und etikettiert.

Zu laut.
Zu viel.
Zu ehrlich.

Also hat das System gelernt:
Besser nett sein als echt.


Es geht nicht um entweder oder

Du brauchst nicht „weniger Good Girl„.
Und auch nicht „nur noch Bad Girl„.

Du brauchst Integration.

Die Fähigkeit, in Verbindung zu bleiben –
ohne dich selbst zu verlassen.

Sanft zu sein – und klar.
Zugewandt – und abgegrenzt.


Der Körper entscheidet, nicht dein Wille

Veränderung beginnt nicht mit „Ich sage jetzt öfter Nein“.

Sondern bereits hier:

  • Im Moment der ersten Enge.
  • Im Moment der diffusen Angst.
  • Im Moment, in dem dein System denkt: Gefahr.

Denn für dein Nervensystem ist Ablehnung nicht nur unangenehm.

Sie kann sich anfühlen wie Verlust von Sicherheit.

Und genau da liegt die Arbeit:
Nicht sofort anders reagieren wollen (klappt meist eh nicht).

Sondern anders im Moment bleiben:

Atmen. Wahrnehmen. Nicht fliehen.

Dir selbst sagen:
Ich halte das aus.

Selbstregulation bedeutet:
Du bleibst bei dir,
während es sich unsicher anfühlt.


Der eigentliche Next Step

Irgendwann reicht das Spüren nicht mehr.

Dann braucht es etwas, das viele nie gelernt haben:

Innere Erlaubnis.

Die Erlaubnis,

  • Bedürfnisse auszusprechen
  • Grenzen zu setzen
  • Enttäuschung zu riskieren
  • nicht mehr von allen gemocht zu werden
  • Und trotzdem in Beziehung zu bleiben.

Das ist keine Härte.

Das ist Integrität.


Vielleicht ist das der Punkt, an dem du gerade stehst

Du hast verstanden, wie es funktioniert.
Du siehst dein Muster.

Aber du spürst auch:
So wie bisher – geht es nicht weiter.

Nicht, weil mit dir etwas falsch ist.

Sondern weil du bereit bist, mehr von dir zu leben.

Nicht nur das Good Girl.

Sondern auch das, was unbequem ist.
Klar und unverhandelbar.

Veröffentlicht von Dr. Maren Buhl

Ich bin Ärztin und Psychotherapeutin. Seit vielen Jahren begleite ich Menschen durch Krisen, Übergänge und innere Brüche – mit klinischer Klarheit, Erfahrung und einem feinen Gespür für das, was zwischen den Worten liegt. Gleichzeitig bin ich eine wilde Frau. Ich glaube nicht an Heilung durch Anpassung, sondern an Wahrhaftigkeit, Verkörperung und das Wiederfinden der eigenen inneren Kraft. An das, was lebendig wird, wenn wir aufhören, uns zu zähmen. In meiner Arbeit verbinde ich medizinisch-psychotherapeutische Expertise mit Tiefe, Intuition und einer klaren, manchmal unbequemen Ehrlichkeit. Ich arbeite strukturiert und achtsam – und lasse Raum für das Ungezähmte, das Echte, das sich nicht normieren lässt. Ich begleite Menschen, die nicht „funktionieren“ wollen, sondern ganz werden. Mit Verstand. Mit Körper. Mit Seele.

Ein Kommentar zu “Pleasure for others. Pressure for you.

  1. Ein sehr interessantes Thema mit wertvollen Impulsen. In der Kindheit wurden Wünsche und Bedürfnisse von meinen Eltern nicht rivhtigwahrgenommen, ferner das meine Mutter ständig krank war und jeder auf sie Rücksicht nahm. Deshalb bin ich auch durch meine hochsensitive Wahrnehmung zu jemanden geworden, der sich im Außen orientiert und eigene Bedürfnisse zurück stellt. Danke dir sehr für das Aufwachen durch den inspirierenden Beitrag liebe Maren

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